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Seite 1: Troyes, Reims und Umland | ![]() | Weiter zu Seite 2: Chartres |
| Tag 1: Troyes | ||
| "Sie
haben Ihr Ziel erreicht" sagt unser Navigationssystem, und das finden
wir erschreckend. Denn als wir Troyes zum ersten Mal von innen sehen,
sind wir mit den nördlichen
Rand der Stadt konfrontiert, am Übergang zum Nachbarort
Chapelle-Saint-Luc: Hier liegt ein
trübes Wohnviertel mit heruntergekommen Häusern. Hier soll sich auch
unser Hotel du Cirque
befinden, unweit der lebhaften Stadtmitte? Wir sehen uns die
Hausnummern näher an und stellen erleichtert fest, dass nur die
Software unseres Navi-Geräts ein Problem mit der
Adresse "Rue de Preize 5 BIS" hatte. Statt an den Beginn der Straße
wurden wir zu ihrem nördlichen Ende gelotst. Also arbeiten wir uns bis
ins Stadtzentrum vor und finden unser Hotel nach der
Versuch-und-Irrtum-Methode. Das Hotel du Cirque liegt etwas versteckt an einer Hofeinfahrt und ist mit 59,- Euro pro Nacht im Doppelbett-Zimmer einschließlich Frühstück und Garage nicht teuer. In dieser Preisklasse muss man allerdings ein paar Einschränkungen hinnehmen. Da wäre zum ersten das für Frankreich typische Doppelbett mit 140 x 190 cm Matratzengröße und grottenschlechtem Liegekomfort. Die Nasszellen mit Dusche und WC wurden nachträglich in die Zimmer des betagten Hauses eingebaut und sind nichts für Leute mit Raumangst. Auf einen Kleiderschrank im Zimmer mussten wir ebenso verzichten wie auf frischen Kaffee zum Frühstück (Nescafé ist Körperverletzung, dann lieber Nesquik zur Not). Dennoch: Es herrschte überall einwandfreie Sauberkeit und die Zimmer waren neu renoviert. Das macht manches wett. Steffi ringt dem Miniaturbad außerdem den Vorteil ab, dass man gleichzeitig auf der Toilette sitzen und sich am Waschbecken waschen kann ... Wir sind Touristen, und so wollen wir uns doch gleich am ersten Abend in eine Touristenfalle begeben, sprich in eines der Restaurants im historischen Zentrum von Troyes. Bei Maitre Kanter, das zu einer vorgeblich elsässischen Lokalkette gehört, ist das Salatdressing eine recht saure Erfahrung. Die Tagliatelle mit sehr salzigem Räucherlachs ertrinken in zerlassener Butter und haben den Zustand "bissfest" schon lange hinter sich. Nach dieser Fettorgie brauchen wir einen Digestif, doch die Schnäpse, die für einen Preis von über sechs Euro pro Glas durchaus etwas Besonderes hätten sein dürfen, stellen sich als weitgehend aromafrei heraus. Also nee, Maitre, das war schlechte Leistung für zu viel Geld. Ohne jetzt die gesamte Kettengastronomie in Bausch und Bogen verdammen zu wollen, glaube ich doch, dass man in Frankreich mit dem Besuch von geklonten Gaststätten sehr zurückhaltend sein sollte. | ![]() ![]() | |
| Tag 2: Troyes | ||
| Gegen 9:00 Uhr machen wir uns auf den Weg in den Ostteil der Innenstadt, in dem die Kathedrale Sankt-Peter-und-Paul von Troyes
steht. Wir sind für französische Verhältnisse zu früh aufgebrochen,
denn vor zehn Uhr öffnen weder die Museen, die nördlich (Malerei,
Archäologie) und südlich (Moderne Kunst) der Kathedrale liegen, noch
die Kirche selbst. Aber wir haben Glück und können vor dem Cafe "Docks
de L'Union Francaise", das direkt am Place St-Pierre liegt, Platz
nehmen. Den Kaffee gibt's dort aus dem Kaffeebereiter (eine
Bodum-Kopie) und schmeckt zwar kräftig, aber mit einer weichen,
schokoladigen Note. Nachdem ich heute früh im Hotel Bekanntschaft mit
Nescafé-Plörre machen durfte, versöhnt mich dieser Kaffee wieder mit
der Welt. Steffi dagegen empfindet ihn als "träge" – im Kontrast zu dem
umtriebigen Inhaber des Cafes. Der diskutiert laut mit seinen Nachbarn,
während er Fahnen in die Fenster seines Lokals hängt. Auf diesen Fahnen
sind das Tempelritter-Kreuz und die Französische Lilie
abgebildet, die Gegenstände der Diskussion. Einer der Nachbarn hält uns
das verwaschene
Konterfei des Wirts auf Seite fünf des Lokalblättchens unter die Nase:
Kumma, der steht sogar inner Zeitung! Leider reichen unsere
Französischkenntnisse nicht aus, um zu diesem kulturpolitischen Disput
essenzielle Beiträge zu leisten ... Wie gesagt, das Stadtzentrum von Troyes ist zweigeteilt und erinnert in seinem Umriss an einen Champignon (oder, wie manche schreiben, an einen Champagnerkorken). Der Westteil ist lebhafter, touristischer und soll mit seinen mittelalterlich wirkenden Fachwerkhäusern und Kopfsteinpflastergassen schon mehrfach als Filmkulisse gedient haben. Der Ostteil – sozusagen der Kopf des Champignons – erscheint Steffi als authentischer, echter: hier drängen sich Restaurants, Geschäfte und Besucher nicht so sehr. Für uns beide ist die Kathedrale das Sehenswerteste. Das Innere dieser gotischen Kirche ist relativ hell, wirkt aber nicht kalt sondern einladend. Die zahlreichen Buntglasfenster gefallen uns, doch am schönsten ist die in Rottönen gehaltene Südrose des Querschiffs. Wir beschließen, noch einmal mit Stativ bewaffnet zum Fotografieren herzukommen. Vorerst nehmen wir nur die Außenseite der Südrose vom Vorhof des Musee d'Art Moderne aus auf. Inzwischen geht es auf Mittag, und das Museum schließt bald für eine Mittagspause seine Türen, wie leider viele andere Museen in der Provinz auch. Daher verzichten wir auf den Museumsbesuch zugunsten eines weiteren Stadtrundgangs. Der führt uns unter anderem vorbei an den in restaurierten Fachwerkhäusern liegenden Hotels Maison de Rhodes und Champ des Oiseaux. Dort kann man offensichtlich sehr gepflegt logieren – allerdings zum Zwei- bis Vierfachen des Preises unserer Unterkunft. An der Ecke Rue Kléber und Rue Celestin-Philibois, unweit der unansehnlichen Kirche St-Nizier, bewundern wir ein gelbes Fachwerkhaus, in dem mit Murmeln spielende Kinder keine Freude haben dürften, so schief und entlang der Längsachse verdreht steht es da. Das kühle Oktoberwetter, zunehmender Hunger und Neugierde treiben uns in ein japanisches Restaurant gegenüber des Hotel-Dieu-le-Comte. Wir nehmen beide ein kleines Menü mit Misosuppe, Krautsalat und gegrillten Fischspießchen. Suppe und Salat sind frisch und lecker, aber der Fisch ist zu Tode gegrillt und überwürzt. Ob das in Annäherung an den Geschmack des einheimischen Publikums so gemacht wurde? Jedenfalls haben Lachs, Thun- und Weißfisch nur noch die Konsistenz von Rind- und Geflügelfleisch. Schade drum. | ![]() ![]() ![]() ![]() | |
| Tag 3: Saint-Florentin, Tonnerre, Tanlay | ||
| Nachdem
wir noch einmal in St-Pierre-St-Paul zum Fotografieren waren, machen
wir unseren ersten Ausflug ins Umland, beginnend mit Saint-Florentin.
Dieses verschlafene Städtchen, südwestlich von Troyes, ist auf zwei
Hügeln erbaut: Auf dem einen steht die Kirche, der andere bietet einen
schönen Ausblick auf dieselbe sowie auf die mittelalterliche Altstadt
und den
Canal de Bourgogne. Die Kirche kann man besuchen, wenn man sich im
Tourismusbüro um die Ecke den Schlüssel holt. Allerdings sehen wir von
außen zersprungene Fenster und ein mächtiges Stützgerüst im Innern und
belassen es daher bei der externen Inaugenscheinnahme. Unser Auto
hatten wir auf dem Marktplatz an der Rue de la Halle geparkt, der außer
Montag und Samstag als kostenloser Parkplatz dient. Bevor wir weiter
fahren, kehren wir
auf einen Kaffee in die am Platz gelegene Brasserie ein und erleben
so etwas wie Lokalkolorit: Die Wirtin wirkt überfordert, obwohl das
Lokal nur mäßig besucht ist. Ein Jugendlicher, vielleicht ihr Sohn,
hängt hinter dem Tresen rum und bedient die Daddeltasten seines
Videospiels hoffentlich virtuoser als die Kasse. Wir geben beiden
völlig den Rest, indem wir mit einem Geldschein bezahlen und das
Wechselgeld mutwillig als
Trinkgeld da lassen (schließlich war der Kaffee in Ordnung). Ha! Nun aber weiter, über Tonnerre nach Tanlay. In Tonnerre fühlen wir uns nicht wirklich wohl: Mitten durch das eigentlich beschauliche Städtchen führen zwei Departementstraßen, auf denen mittags reger und lauter Verkehr herrscht – rege in Bezug auf die Menge der Autos und laut bezüglich der groß- und kleinmotorigen Motorräder. Auch abgesehen von Tonnerre habe ich den Eindruck, dass in Frankreich kein Hahn danach kräht, wie rücksichtslos man mit geschraubten Zweirädern Lärm machen darf. Natürlich, es gibt in Tonnerre ein mittelalterliches Armenhospiz und noch einiges mehr zu besichtigen, aber wir lassen diesen Ort hinter uns. Da ist das Chateau de Tanlay schon eher nach unserem Geschmack. Das kleine Renaissanceschloss hat interessante, detailverliebte Bauelemente zu bieten und ist von einem Wassergraben umgeben, der von einem Kanal gespeist wird. Dieser Kanal wiederum durchfließt den Schlosspark, der einen prächtigen Alleeweg aufweist. Bei sonnigem Wetter im Oktober leuchten die Blätter in allen Farben des Herbstes. Auf der anderen Seite des Kanals liegt einer der vielen Golfplätze, die wir in der Champagne gesehen haben. An dieser Stelle auch gleich etwas zur Landschaft in dieser Ecke Frankreichs. Sie eignet sich leider gut für Golfplätze, denn sie ist eine stete Abfolge flacher Hügel und Senken. Wald sucht man, außer in speziellen Reservaten wie dem Foret d'Orient, vergebens. Dafür erstrecken sich hier Felder, Felder, Felder. Uns wundert angesichts dieser mit Reizen geizenden Gegend nicht mehr, dass die Champagne touristisch keine große Rolle spielt. Es gibt auch keinen eigenen deutschen Reiseführer für die Champagne, weshalb wir uns den Baedeker für ganz Frankreich mitnehmen mussten. Den Kauf dieses Buchs haben wir aber nicht bereut, denn es ist übersichtlich und gut lesbar gestaltet, und die wichtigsten Ziele unserer Reise waren mit mehr oder weniger Worten erwähnt, je nach Wichtigkeit. | ![]() ![]() ![]() | |
| Tag 4: Foret d'Orient, Mesnil-Saint-Père, Bar-sur-Aube, Troyes | ||
| Den
eben genannten Foret d'Orient sehen wir uns heute an. In diesem
regionalen Naturpark liegen drei Seen, die
wiederum von einigen, für die Verhältnisse der Champagne großen
Waldgebieten umsäumt sind. Im Sommer dürfte hier starker
Besucherandrang herrschen, denn den Wald durchziehen viele Spazierwege,
und darüber hinaus werden die Seen für Segeln, Fischen und motorisierten
Wassersport genutzt. Ich denke, die Bezeichnung
Naherholungspark beschreibt den Foret d'Orient besser als das offizielle Wort "Naturpark". Wir besuchen die Maison du Parc, das Informationsbüro im Zentrum des Parks. Dort dudelt ein von Andenklängen untermaltes Naturvideo vor sich hin, und es mieft gewaltig nach Holzschutzmittel. Ich taumle umgehend wieder an die frische Luft, Steffi bleibt dagegen ganz cool in der Maison und ergattert einen schönen Faltplan des Parks. Wir begeben uns nach Mesnil-Saint-Père, wo für den Lac d'Orient ein Bootshafen und ein Strand ausgewiesen sind. Um es kurz zu machen: Saison vorbei, Boote auf dem Trockenen, fast menschenleer die Anlagen. Nur eine winzige Bäckerei hat geöffnet. Immerhin haben wir die Freude, drei große braune Esel fotografieren zu können, die in der Nähe eines Imbisslokals am Wegesrand gehalten werden. Um die Tiere streicheln zu können, sind sie allerdings zu gut hinter Stacheldraht und Elektrozaun verwahrt. Wir fahren Richtung Südosten nach Bar-sur-Aube. Viel zu sehen gibt es in diesem adretten Städtchen zwar nicht, nur eine von außen ansehnliche Kirche St-Pierre und eine große alte Messehalle (die auch eine kostenpflichtige öffentliche Toilette beherbergt). Ach ja, und eine Handvoll Champagnerproduzenten aus dem Umland haben hier Verkaufsstellen. Die sind für uns wenig interessant, aber dafür ereilt uns in Bar-sur-Aube der kulinarische Höhepunkt unserer Champagne-Tour: Eher zufällig entdecken wir das Restaurant La Toque. Wir haben das Glück, dort ohne Reservierung zwei Plätze zu bekommen: Der Gastraum wirkt nicht überfüllt, ist aber fast voll besetzt. Das Lokal ist geschmackvoll und dezent in ländlichem Stil gestaltet. Wir essen als Vorspeise Räucherlachs auf kleinen Pfannkuchen mit Sprossen und eingelegten Paprikastreifen. Gebratene Fischfilets mit Risotto, Pilzflan und Sauerkraut vom Rotkohl als Hauptgang. Den Käsegang lassen wir aus und gehen direkt zur köstlichen, sämigen Creme Brulee über. Zum Abschluss noch ein Gläschen Schampus – und der Bedienung erklärt, dass sie einen ganzen Liter Vittel auf unserer Rechnung vergessen hat. Die siebzig Euro für zwei Personen waren auf jeden Fall die am besten in Speis' und Trank investierten unserer Reise, und Ihnen sei La Toque wärmstens empfohlen. Am Nachmittag, zurück in Troyes, gehen wir zunächst an dem modernen Denkmal zu Ehren des Rabbiners Raschi vorbei, das vor dem Theatre de Champagne steht. Raschi lebte im Hochmittelalter in Troyes und gilt bis heute als einer der bedeutendsten Kommentatoren des Talmud. In der westlichen Altstadt, an der Rue Brunneval, wollen wir auch die Ausstellung des Institut Raschi besuchen. Doch Besichtigung ist leider Fehlanzeige, wir sind – wie so oft in der Champagne – außerhalb der eng begrenzten Öffnungszeiten vor Ort. Immerhin ist die Synagoge von Troyes direkt gegenüber des Instituts in einem Fachwerkhaus untergebracht, und dieses alte Haus mit seinem schön gemeißelten Portal sind hübsche Anblicke. Wir schlendern noch ein wenig durch die Altstadt und beschließen, vor einem Teesalon sitzend, bei einem heißem Bergamotte-Tee namens Casablanca und einem kalten, aromatischen Minztee unser touristisches Tagwerk. Was nicht heißt, dass Ruhe einkehrt. Wussten Sie, dass Frankreich eine erfolgreiche Rugbynation ist? Und dass die Weltmeisterschaft 2007 ausgerechnet im Oktober in Frankreich stattfand? Genau das lernen wir etwa zwischen 22:00 Uhr abends und 3:00 Uhr früh. Das Hotel ist nur einen Steinwurf von Troyes' Boulevard Gambetta entfernt, an dessen Ecke zur Rue de Preize sich eine Brasserie befindet. Dort verfolgen viele Sportsfreunde eines der Viertelfinalspiele mit französischer Beteiligung. Und halten mit ihrer Begeisterung ob des Sieges ihrer nationalen Mannschaft nicht hinterm Berg. Wir haben derweil Zeit, einen Beschluss zu fassen: Da wir Chartres unbedingt einen Besuch abstatten wollten und in der Umgegend von Troyes außer Reims nichts Wichtiges mehr auf unserer Zu-besichtigen-Liste steht, werden wir früher als geplant übermorgen gen Chartres abreisen. Der Concierge hat am nächsten Morgen mit unserer Stornierung von fünf vorausgebuchten Übernachtungen kein Problem: Er ist länger bleibende Gäste sowieso nicht gewohnt. So bleibt uns für den fünften Tag noch der Besuch von ... | ![]() ![]() ![]() ![]() | |
| Tag 5: Reims, Chalons-en-Champagne, Troyes | ||
| ...
Reims, genauer: seiner berühmten Kathedrale Notre-Dame (Sie werden
inzwischen bemerkt haben, dass Sakralbauten unsere besondere
Aufmerksamkeit gilt). Wir nähern uns dem Hauptportal des Hauses von der
Rue Libergier aus, was uns eine prächtige Ansicht der Westfassade
beschert. Unweit der Kathedrale biegen wir nach links in die Rue des
Capucins ab und fahren ins Parkhaus. Von dort ist der Fußweg zur
Kathedrale ausgeschildert und nicht weit. Leider wird während unseres
Besuchs der gesamte Vorplatz der Kirche aufgerissen und umgebaut, so
dass es nicht ohne Bauzaun-Slalom abgeht. Aber die Ansicht des Hauptportals aus der Nähe entschädigt für die Mühe. Ein Prunkstück der Hochgotik, unglaublich detailverliebt und geradezu überladen von Reliefs und Skulpturen. Das rechte (südliche) Seitenportal ist perfekt renoviert, das linke und das Hauptportal werden hoffentlich bald nachgeholt. Am linken Seitenportal interessieren uns vor allem die Darstellungen lächelnder Engel, von denen es hier gleich drei Stück gibt. Zwei davon wenden sich dem Märtyrer Nicasius zu, der mit abgeschlagener Schädeldecke dargestellt wird und dementsprechend dreinschaut, als könne er ein, zwei Kopfschmerztabletten jetzt gut gebrauchen. Wir wissen nicht, was diese freundlichen Engel empfehlen. Wir empfehlen bei Kopfschmerzen ... Sie wissen schon. Das Innere von Notre-Dame ist auch angenehm anzuschauen, kann aber aufgrund viel sichtbaren Renovierungsbedarfs mit der Westfassade nicht mithalten. Hinter dem Altar glänzen tiefblau die von Marc Chagall gestalteten Kirchenfenster, und das Standbild von Jeanne d'Arc im Chorumgang beeindruckt mich durch seine ambivalente Ausstrahlung: Aufrecht und doch demütig, zerbrechlich und doch zum Kampf gerüstet. Wir schließen einen kurzen Rundgang durch die Reimser Stadtmitte an, von dem uns vor allem der Besuch der Galerie Lafayette in Erinnerung bleibt – als schauriges Kontrastprogramm. Der Vergleich zwischen Notre-Dame und diesem anderen Tempel des Konsums hat Reize einer seltsamen Art. Übrigens, in diesem Zusammenhang: In Troyes gibt es mehrere "Marques", Ansammlungen von Outlet-Stores großer Bekleidungsmarken. Mit Preisnachlässen von zwanzig Prozent wird für diese Zentren geworben, und nachdem einige Autos der Gäste des Hotel du Cirque bis unters Dach mit Einkaufstüten vollgepackt waren, fährt man wohl gern gezielt nach Troyes zum Klamotten-Großeinkauf. Wir fahren auch, aber von Reims aus in Richtung Südosten nach Chalons-en-Champagne. Auch hier beginnen wir unseren Rundgang an einer Kathedrale, nämlich Saint-Etienne. Herrliche Fenster soll sie haben, sagt der Baedeker, aber leider ist die Kirche wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten geschlossen. Also spazieren wir die Rue de la Marne hinunter bis zum hübschen Place du Maréchal Foch, an dem das Rathaus steht. Dieses hätte ich auch gern im Licht der Oktobersonne fotogtafiert, aber eine Leinwand zur öffentlichen Übertragung von Rugbyweltmeisterschaftsspielen steht im Weg. Was soll's, genießen wir eben vor der Brasserie Le Foch einen aromatischen Milchkaffee. Interessant war die Erfahrung, dass hier die Beleuchtung der fensterlosen Toiletten an eine Zeitschaltuhr gekoppelt ist. Gestalten die einheimischen Brasseriegäste ihren Klobesuch demnach als Wettlauf? Wer das Waschbecken noch im Hellen findet, hat gewonnen? Haben die sie noch alle? Zurück in Troyes besuchen wir die Markthalle im Westteil des Stadtzentrums, die besonders an Wochenenden reichlich beschickt wird. Es findet außerdem freitags ein Flohmarkt um die Halle herum statt. Eingedeckt mit frischem Obst und Brot verbringen wir den Rest des Abends auf unserem Hotelzimmer. Auf dem übrigens weder geraucht noch gegessen werden darf. Aber letzteres gilt bestimmt nur für Fastfood aus dem nahen, chronisch überfüllten McDonald's, gell? Wir freuen uns auf unsere morgige Weiterfahrt nach Chartres! | ![]() ![]() ![]() ![]() | |
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Anmerkungen | ||
| Hotel du Cirque, Rue de Preize 5 bis, 10000 Troyes www.hotelducirque.fr - hotelducirquetroyes@yahoo.fr zurück zum Text | ||
| Taverne de Maître Kanter, Rue Champeaux 4, nahe des Place Alexandre-Israël zurück zum Text | ||
| Cathédrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul, siehe auch: http://fr.wikipedia.org/wiki/Cath%C3%A9drale_Saint-Pierre-et-Saint-Paul_de_Troyes http://www.gotik-romanik.de/Troyes,%20Kathedrale%20Thumbnails/Thumbnails.html zurück zum Text | ||
| Musée d'Art Moderne, Place Saint-Pierre 14, Troyes geöffnet Di -So (außer an gesetzlichen Feiertagen) 10:00-13:00 und 14:00-18:00 Eintritt (2007) 5,00 Euro http://www.ot-troyes.fr/0/collection/musee.asp zurück zum Text | ||
| Beide Hotels haben natürlich auch seeehr gediegene Internetseiten: www.maisonderhodes.com / www.champdesoiseaux.com zurück zum Text | ||
| Le Detective Nippon, Rue de la Cité 21 zurück zum Text | ||
| Baedeker Allianz Reiseführer Frankreich, 12. Auflage 2007, 830 Seiten, ISBN 978-3-8297-1029-9, mit gesonderter Reisekarte 1 : 750 000, kostet knapp 26,- Euro. zurück zum Text | ||
| Kennen Sie diese südamerikanischen Musikterroristen aus Ihrer Fußgängerzone? Solche Andenklänge meine ich. zurück zum Text | ||
| La Toque, Rue Nationale 18, 10200 Bar-sur-Aube toquebaralbine@wanadoo.fr zurück zum Text | ||
| Galeries Lafayette, Rue de Vesle 33 - 45 zurück zum Text | ||
| Marques: Wohl kaufwütig, was? Hier ein paar Internetadressen: www.troyesmagusine.com www.marquesavenue.com www.marquescity.com www.mcarthurglen.fr/destockage-fr/marques-troyes/troyes.php zurück zum Text | ||
| Marché central des Halles, an der Rue Claude-Huez, Mo-Do 8:00-12:30 und 15:30-19:00, Fr+Sa 7:00-19:00, So 9:00-12:30, Flohmarkt Mi+Fr 8:00-12:00 zurück zum Text | ||
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